Erbengemeinschaft: Wer trägt welche Kosten?

Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, bilden diese eine Erbengemeinschaft. In der Erbengemeinschaft kann kein Miterbe ohne Einvernehmen der anderen Miterben handeln. Verfügungen über Nachlassgegenstände können nur gemeinschaftlich erfolgen. Nachlässe bestehen aber nicht nur aus Vermögenswerten.

Auch Nachlassverbindlichkeiten müssen aus dem Nachlassvermögen bedient sowie alle anlässlich des Erbfalls entstandenen Kosten beglichen werden. Da in Erbengemeinschaften oft jeder Miterbe auf den eigenen Vorteil bedacht ist, steht immer wieder die Frage zur Debatte, wer welche Kosten trägt?

Wer trägt welche Kosten?

Die Antwort ist an sich einfach: Die Erbengemeinschaft trägt alle mit dem Erbfall verbundenen Kosten gemeinsam. Kein Miterbe haftet allein für die Verbindlichkeiten. Verbindlichkeiten sind alle Verbindlichkeiten, die der Erblasser in seiner Person hinterlassen hat sowie alle Verbindlichkeiten, die unmittelbar oder mittelbar anlässlich des Erbfalls entstanden sind.

Alle diese Verbindlichkeiten mindern den Nachlasswert und sind damit Grundlage für die Bemessung eventuell anfallender Erbschaftssteuern. Die Erben und damit die Erbengemeinschaft haftet für Erblasserschulden, Erbfallschulden und Nachlasserben schulden.

Im Detail:

Erblasserschulden: Verbindlichkeiten, die vom Verstorbenen selbst herrührenden vertraglichen oder gesetzlichen Verbindlichkeiten, die durch seinen Tod noch nicht erloschen sind:

  • Verbindlichkeiten des Erblassers (z.B. TV-Gebühren, Kredite)
  • Unterhaltsverpflichtungen
  • Steuerschulden beim Finanzamt
  • Dreissigster (Unterhaltsanspruch eines unterhaltsberechtigten Haushaltsangehörigen des Erblassers für einen Zeitraum von 30 Tagen, der nicht zugleich Erbe sein muss)
  • Voraus: Der überlebende Ehepartner, der gesetzlicher Erbe wird, erhält vorab und zusätzlich zum Erbteil die zum gemeinsamen Haushalt gehörenden Gegenstände und das gemeinsam genutzte Familienauto).

Erbfallschulden: Verbindlichkeiten, die aus Anlass des Erbfalls entstanden sind.

  • Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen und Auflagen, die der Erblasser testamentarisch angeordnet hat (z.B. das Tierheim soll aus dem Nachlass 5000 € erhalten).
  • Pflichtteilsansprüche, wenn der Erblasser einen gesetzlichen Erben enterbt hat. Der Pflichtteilsanspruch ist in bar aus dem Nachlass zu zahlen.
  • Kosten für die Beerdigung oder der Feuerbestattung, für eine angemessene Grabstätte, Kosten der Trauerfeierlichkeiten nebst Traueranzeige und Danksagungen. Die Beerdigungskosten fallen also immer den Erben und damit dem Nachlass zur Last, nicht aber den nächsten Angehörigen (z.B. Lebensabschnittsgefährte), die nicht Erbe geworden sind.
  • Kosten der Testamentseröffnung, die das Nachlassgericht über eine Gebührenrechnung abrechnet.
  • Unterhaltsanspruch einer schwangeren Frau, die einen Erben austrägt. Ist das gezeugte Kind noch nicht geboren, hat die Mutter einen Unterhaltsanspruch gegen den Nachlass bis zur Entbindung, soweit sie bedürftig ist. Der Anspruch ist begrenzt auf den Wert des Erbteils des Kindes.
  • Kosten eines Nachlasspflegers, Nachlassverwalters oder eines Testamentsvollstreckers.
  • Erbschaftssteuern: Übersteigt der Erbanteil eines Miterben seinen persönlichen Freibetrag (Ehegatte: 500.000 €, Kind: 400.000 €), wird der darüber hinausgehende Vermögenswert erbschaftssteuerpflichtig. Die Erbschaftssteuer ist aus dem Nachlass zu zahlen. Zusätzlich haftet der Erbe persönlich. Die Erbschaftssteuer steht nicht im Zusammenhang mit der Einkommensteuer. Insoweit kommt es nicht darauf an, ob der Erbe eigenes Einkommen erzielt und in welcher Steuerklasse sowie in welcher Höhe er sein Einkommen versteuert. Maßgebend ist allein das Erbschaftssteuergesetz.

Nachlasserbenschulden: Verbindlichkeiten, die der Erbe oder die Erbengemeinschaft aus Anlass des Erbfalls rechtsgeschäftlich eingehen:

  • Kosten der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses (Beispiel: Die Erben lassen den Verkehrswert von Nachlassgegenständen (Kunstsammlung) oder einer Immobilie durch einen Sachverständigen feststellen, um den Nachlass entsprechend unter sich aufzuteilen.
  • Kosten eines Steuerberaters zur Erstellung der Erbschaftssteuererklärung
  • Kosten für die Dachreparatur einer zum Nachlass gehörenden Immobilie
  • Verbindlichkeiten aus der Fortführung eines zum Nachlass gehörenden Handelsunternehmens

Welche Kosten fallen dem Nachlass nicht zur Last?

Nicht alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Erbfall stehen, gehen zulasten des Nachlasses.

  • So müssen Angehörige die Kosten für Trauerkleidung und Anreise vom Wohnort zum Friedhof selbst bezahlen.
  • Auch die laufenden Kosten der Unterhaltung und Pflege des Grabes brauchen die Erben nicht zu tragen. Der Gesetzgeber betrachtet es als sittliche Pflicht der Angehörigen, die nicht unbedingt zugleich Erbe sein müssen, diese Kosten zu übernehmen. Der Erblasser kann vorbeugen, indem er die Grabpflege durch Auflage den Erben überträgt.
  • Gehören zum Nachlass Immobilien, fällt mit Ausnahme der Erbschaftssteuer keine Grunderwerbsteuer an. Auch die Übertragung im Wege der Erbauseinandersetzung auf einen Miterben bleibt grunderwerbsteuerfrei. Soweit die Immobilie auf einen Verwandten des Erblassers übertragen wird, bleibt die Eigentumsumschreibung im Grundbuch gebührenfrei, wenn die Umschreibung innerhalb von zwei Jahren nach Eintritt des Erbfalls beantragt wird.

Inwieweit haften die Erben in der Erbengemeinschaft persönlich?

Jeder Erbe und damit jeder Miterbe in einer Erbengemeinschaft haftet mit Annahme der Erbschaft persönlich und privat mit seinem eigenen Vermögen für eventuelle Nachlassverbindlichkeiten. Reicht der Nachlass nicht aus, eventuell bestehende Verbindlichkeiten vollständig zu bezahlen, haftet der Alleinerbe allein und der Miterbe in der Erbengemeinschaft entsprechend seiner Erbquote persönlich und privat für Restverbindlichkeiten.

Fazit

Geht es um die Verteilung des Nachlasses, sollte jeder Erbe darauf bedacht sein, zunächst möglichst alle Verbindlichkeiten zu bezahlen. Wer sofort auf Liquidität bedacht ist und Vermögenswerte umgehend veräußert oder verwertet, riskiert ein böses Erwachen, wenn er anschließend wegen der erbfallbedingten Kosten zur Kasse gebeten wird. Erben bedeutet Verantwortung und beinhaltet Pflichten. Diese bestehen darin, dass der Erbe Rechtsnachfolger des Erblassers wird und letztlich für alles geradestehen muss, für was auch der Erblasser hätte geradestehen müssen.

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