Fürbitten – Von der Taufe bis zur Beerdigung

Fürbitten sind ein Ausdruck gelebter Nächstenliebe: In ihnen wenden sich Gläubige an Gott – nicht für sich selbst, sondern stellvertretend für andere. Diese Form des Gebets hat eine lange biblische Tradition und wird in persönlichen wie liturgischen Kontexten gesprochen. Ob bei Taufen, Hochzeiten oder in Momenten der Trauer – Fürbitten schenken Trost, Hoffnung und Verbundenheit. Schon Paulus ermutigte dazu, für andere Menschen zu beten. In der christlichen Gemeinschaft sind Fürbitten bis heute ein zentrales Mittel, Mitgefühl in Worte zu fassen und Verantwortung füreinander zu zeigen.

Fürbitten – Von der Taufe bis zur Beerdigung
Fürbitten – Von der Taufe bis zur Beerdigung

Das Wichtigste in Kürze zu Fürbitten

  • Fürbitten als Akt der Nächstenliebe: Sie drücken Mitgefühl und Solidarität mit anderen aus – in Freud und Leid.
  • Biblisch verwurzelt: Bereits im Neuen Testament rief Paulus dazu auf, Fürbitten für andere zu sprechen.
  • Vielseitig einsetzbar: Fürbitten finden bei Taufen, Hochzeiten, Kommunionen und Beerdigungen Anwendung.
  • Kirchlich wie privat: Sie werden sowohl in der Liturgie als auch im persönlichen Gebet praktiziert.
  • Ein Werkzeug der Verbindung: Durch Fürbitten entsteht spirituelle Gemeinschaft – über Grenzen hinweg.

Was ist eine Fürbitte und wann wird sie gesprochen?

Eine Fürbitte ist ein Gebet, in dem eine Person stellvertretend für andere zu Gott spricht. Sie wird häufig im Rahmen kirchlicher Zeremonien wie Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen gehalten, kann aber auch im privaten Gebet stattfinden. Ziel ist es, Hilfe, Trost oder Segen für andere zu erbitten – aus Nächstenliebe und im Vertrauen auf Gottes Beistand.

Schon der Apostel Paulus erinnerte in seinen Briefen an die Verpflichtung, für andere Menschen in bestimmten Anliegen zu beten, u.a. in seinem ersten Brief an Timotheus: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zur Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.“ (1 Tim 2,1f, vgl. auch 2 Kor 1,11 oder Eph 6,18f).

Es gibt verschiedene Anlässe, zu denen Fürbitten gehalten werden.

Fürbitte Beerdigung

„Lieber Gott, für …. können wir nun nichts mehr tun, nimm ihn/sie in deinen Kreis auf und beschützte ihn/sie mit deiner liebenden Hand. Wir bitten darum, gib ihm/ihr ein neues zu Hause in deinem herrlichen Reich und gebe uns die Kraft, über diesen Verlust hinweg zu kommen.“

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„Lieber Gott, bitte hilf uns, dass wir … niemals vergessen werden, denn er/sie hat viel für uns getan. Nimm sie/ihn in dein Reich auf und geben … ein neues zu Hause, in dem er/sie sich genauso wohl fühlen kann, wie auf Erden. Herr, wir danken dir.“

Fürbitte Erstkommunion

Lieber Gott, wir freuen uns alle, dass heute der Tag unserer ersten heiligen Kommunion ist. Lass ihn zu einem unvergesslichen Fest werden.“

„Am Tage meiner Kommunionsfeier hatte der Papst leider keine Zeit, aber Du warst da und dafür möchte ich mich bedanken. Die Feier war sehr schön und auch über die Geschenke habe ich mich sehr gefreut.“

Fürbitte Hochzeit

Wir bitten für uns alle, schenke uns ein offenes und gastfreundliches Herz, damit wir einander im Vertrauen in das Leben bestärken können.“

„Für diese Brautleute … und …, das sie sich von dir führen lassen und unter deinem Schutz zu einer glücklichen Familie werden.“

„Für eine Welt, in der täglich Menschen Liebe und Leid teilen. Zeige ihnen
den Weg zum Miteinander und zur Versöhnung, damit alle Menschen
etwas zu lachen haben.“

Fürbitte Taufe

Herr, wir bitten Dich, schenke diesem Kind Güte – Eigenschaften, die es zu dem werden lassen, was es ist und immer wieder werden will – jeden Tag ein wenig mehr.“

„Herr, wir bitten Dich, schenke diesem Kind Kraft, Energie und Mut, um das Leben zu meistern und um Frieden zu finden mit Dir, sich selbst und der Welt.“

Lasst uns Füreinander- Einstehen und mit einer Fürbitte an Gott, um das Wohl Anderer bitten!

Die biblische Grundlage der Fürbitte

Fürbitten sind tief im christlichen Glauben verwurzelt. Schon im Alten Testament bat Abraham für Sodom, Mose für das Volk Israel und Hiob für seine Freunde. Im Neuen Testament wird die Fürbitte besonders durch Paulus hervorgehoben. In 1 Timotheus 2,1–2 ruft er explizit dazu auf, für alle Menschen, insbesondere für Herrschende, zu beten.

Auch in Epheser 6,18–19 betont er das „Gebet in allen Anliegen“ und bittet um Unterstützung im Gebet für seine Mission. Diese Passagen zeigen: Fürbitten sind nicht nur persönliche Worte, sondern Teil einer größeren geistlichen Verantwortung. Sie verbinden den Glauben an Gott mit gelebter Solidarität unter Menschen. Wer eine Fürbitte spricht, wird zum Mittler – zwischen Himmel und Erde.

So formulieren Sie eine eigene Fürbitte

Das Schreiben einer Fürbitte erfordert weder theologisches Studium noch perfekte Worte – es braucht Herz, Mitgefühl und Achtsamkeit. Zunächst sollte klar sein, für wen oder was man beten möchte. Dann empfiehlt es sich, das Anliegen kurz zu benennen, z. B. „für Menschen in Not“ oder „für das Brautpaar“. Danach kann eine Bitte an Gott formuliert werden, etwa um Kraft, Frieden oder Segen.

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Wichtig ist, die Sprache einfach und ehrlich zu halten. Viele Fürbitten beginnen mit „Guter Gott, wir bitten dich…“. Sie können auch mit einem Dank oder einem Wunsch enden. In Gottesdiensten werden sie oft von der Gemeinde mit „Wir bitten dich, erhöre uns“ beantwortet.

Fürbitten in verschiedenen Konfessionen

Obwohl Fürbitten in fast allen christlichen Kirchen vorkommen, unterscheiden sich ihre Formen leicht. In der katholischen Kirche sind sie fester Bestandteil der Heiligen Messe und folgen einer bestimmten liturgischen Struktur.

Auch in der evangelischen Kirche werden Fürbitten regelmäßig im Gottesdienst gesprochen, oft individuell auf das aktuelle Geschehen abgestimmt. In orthodoxen und anglikanischen Traditionen sind sie ebenfalls tief verankert, häufig verbunden mit dem Gedenken an Heilige oder Verstorbene.

Freikirchliche Gemeinden halten sich oft weniger an feste Formeln und sprechen Fürbitten frei. Trotz unterschiedlicher Ausführungen bleibt der Kern gleich: die solidarische Bitte für das Wohl anderer.

Die Fürbitte als Ausdruck von Nächstenliebe

Fürbitten sind mehr als Worte – sie sind ein gelebtes Zeichen der christlichen Nächstenliebe. Wer für andere betet, übernimmt Verantwortung, zeigt Mitgefühl und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Gerade in schweren Zeiten kann das Wissen, dass jemand für einen betet, Trost und Hoffnung spenden.

Auch im persönlichen Gebet können Fürbitten ein Weg sein, Sorgen zu teilen und anderen geistig beizustehen. Sie erinnern uns daran, dass der Glaube nicht nur individuell, sondern gemeinschaftlich gelebt wird. Die Fürbitte ist damit ein spiritueller Akt der Zuwendung – zu Gott und zum Mitmenschen.

Anleitung: Persönliche Fürbitten zur Beerdigung verfassen

Das Schreiben eigener Fürbitten verleiht der Trauerfeier eine besonders persönliche Note. Beginnen Sie damit, Aspekte aus dem Leben des Verstorbenen zu reflektieren, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind. Eine klassische Struktur hilft dabei: Sprechen Sie Gott oder die Trauergemeinde direkt an, formulieren Sie Ihre Bitte für den Verstorbenen, die Hinterbliebenen oder die Welt und schließen Sie mit einer gemeinsamen Antwort wie „Wir bitten dich, erhöre uns“.

Achten Sie darauf, die Texte kurz und prägnant zu halten, damit die emotionale Wirkung im Vordergrund steht. So entstehen authentische Fürbitten, die Trost spenden und die Einzigartigkeit des geliebten Menschen würdigen.

Der klassische Aufbau einer Fürbitte im Gottesdienst

Eine wirkungsvolle Fürbitte folgt meist einem bewährten dreiteiligen Schema, das den rituellen Rahmen stützt. Zuerst erfolgt die Einleitung oder Anrufung, die den Fokus auf die geistliche Instanz oder das gemeinsame Gedenken lenkt. Darauf folgt das Herzstück: die konkrete Bitte, die oft mit Formulierungen wie „Lass ihn/sie in Frieden ruhen“ oder „Schenke den Trauernden Kraft“ eingeleitet wird.

Den Abschluss bildet der Ruf der Gemeinde, der die Gemeinschaft im Gebet verbindet. Durch diesen klaren Aufbau geben Sie der Trauergemeinde Orientierung und schaffen einen harmonischen Übergang zwischen den einzelnen Gebetsanliegen während der Bestattung oder des Trauergottesdienstes.

Fürbitten für Pflegende und medizinisches Personal

In der Zeit des Abschieds vergessen wir oft diejenigen, die den Verstorbenen auf seinem letzten Weg professionell und liebevoll begleitet haben. Es ist eine wertvolle Geste, in die Fürbitten auch Ärzte, Pflegekräfte und Hospizmitarbeiter einzuschließen.

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Danken Sie für deren Geduld, Empathie und die unermüdliche Fürsorge in schweren Stunden. Bitten Sie um Kraft für all jene, die täglich mit dem Tod konfrontiert sind, damit sie ihre Menschlichkeit und Zuversicht bewahren können. Solche spezifischen Gebete erweitern den Fokus der Trauerfeier und würdigen die wichtige Arbeit am Lebensende, was von vielen Angehörigen als sehr tröstlich und wertschätzend empfunden wird.


FAQ:

Wer liest die Fürbitten bei einer Beerdigung vor?

Meist werden die Fürbitten von engen Angehörigen, Freunden oder dem Bestatter vorgetragen. Wenn sich die Familie dazu nicht in der Lage fühlt, übernimmt diese Aufgabe in der Regel der Pfarrer oder Trauerredner.

Wie viele Fürbitten sind bei einer Trauerfeier üblich?

In der Regel werden zwischen vier und sechs Fürbitten gelesen, um einen angemessenen zeitlichen Rahmen zu wahren. Dies erlaubt es, verschiedene Anliegen wie den Verstorbenen, die Familie und allgemeine Nöte gleichermaßen zu berücksichtigen.

Müssen Fürbitten immer einen religiösen Bezug haben?

Nein, in einer freien Trauerfeier können Fürbitten auch als weltliche Wünsche oder gute Gedanken formuliert werden. In der Kirche hingegen ist der Bezug zu Gott durch die einleitende Anrufung meist fester Bestandteil des Ritus.

Was ist die typische Antwort der Gemeinde auf eine Fürbitte?

Die am weitesten verbreitete Antwort der Gemeinde lautet: „Wir bitten dich, erhöre uns“. Alternativ kann in ökumenischen oder modernen Gottesdiensten auch ein kurzer Liedvers gesungen werden.

Können Kinder auch Fürbitten vorlesen?

Ja, Kinder können sehr gut in das Vorlesen der Fürbitten eingebunden werden, sofern sie sich dabei sicher fühlen. Kurze, einfache Sätze sind hierbei besonders empfehlenswert, um die Kinder nicht zu überfordern.

In welchem Teil des Gottesdienstes finden die Fürbitten statt?

Die Fürbitten folgen üblicherweise nach der Predigt und dem Glaubensbekenntnis. Sie bilden die Brücke zwischen der Verkündigung des Wortes und der anschließenden Eucharistiefeier oder dem Auszug zum Grab.

Darf man in Fürbitten auch persönliche Erlebnisse erwähnen?

Persönliche Details sind erlaubt, sollten aber kurz und allgemeinverständlich gehalten werden. Sie dienen dazu, die Verbindung zwischen dem Verstorbenen und der Bitte für die Lebenden greifbar zu machen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gebet und einer Fürbitte?

Eine Fürbitte ist eine spezielle Form des Gebets, bei der man nicht für sich selbst, sondern für andere bittet. Sie richtet den Blick weg vom eigenen Ich hin zur Gemeinschaft und zum Schicksal Mitmenschen.

Müssen Fürbitten vorher mit dem Pfarrer abgesprochen werden?

Es ist sehr ratsam, die Texte vorab dem Pfarrer oder Redner vorzulegen. So wird sichergestellt, dass sie in den liturgischen Ablauf passen und keine thematischen Dopplungen mit der Predigt entstehen.

Kann man Fürbitten auch spontan formulieren?

Bei kirchlichen Beerdigungen ist Spontanität aufgrund des festen Ablaufs eher selten und meist nicht vorgesehen. Eine gute Vorbereitung gibt den Vortragenden zudem Sicherheit in einer emotional belastenden Situation.

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