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Wer zahlt die Bestattungskosten? Ausgewählte Fälle

Wer zahlt die Bestattungskosten?

Unmittelbar nach dem Verlust eines Freundes oder Verwandten sehen sich viele Menschen nur schwer in der Lage, den Überblick über Formalitäten wie Testamentsvollstreckung oder Begräbniskosten zu bewahren. Um nicht zur Unzeit über an sich jedoch wichtige Fragen debattieren zu müssen, seien Ihnen hier einige Grundsätze an die Hand gegeben.

Erbberechtigte und Bestattungsberechtigte

Zunächst einmal gibt es einen Unterschied zwischen Erbberechtigten und Bestattungsberechtigten. Welche Personen zur Bestattung berechtigt bzw. verpflichtet sind, kann man aus dem jeweiligen Friedhofs- und Bestattungsgesetz entnehmen, hier einmal exemplarisch das Bestattungsgesetz für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Sofern diese Verordnung nichts anderes besagt, befindet sich das Recht zur Totenfürsorge und die Bestattungsberechtigung bei den nächsten Angehörigen. Diese haben zunächst für eine korrekte Bestattung des Leichnams zu sorgen.

Die letztendlichen Kosten sind jedoch von den antretenden Erben zu tragen, wobei gilt: Die bestattenden, aber nicht erbberechtigten Personen haben gegen die Erben, die sich finanziell zunächst nicht an der Bestattung beteiligen, lediglich einen Anspruch auf Kostenübernahme einer Beerdigung in „angemessener Größenordnung“.

Was erfassen die sogenannten Bestattungskosten alles?

Was deckt dieser Begriff jedoch alles ab? Welche Art Bestattung davon noch betroffen ist und welche nicht, hängt mit der sogenannten Lebensstellung des Verschiedenen zusammen. Bei Unklarheit darüber setzen Sie sich am besten mit einem Anwalt für Erbrecht einmal zusammen. Auf alle Fälle erfassen die Bestattungskosten die Aufwendungen für den Sarg bzw. die Urne, die Überführung, Anschaffungskosten für die Grabstätte und den Grabstein, die Einfassung und Erstbepflanzung sowie die Vase.

Wird eine Feuerbestattung statt einer Erdbestattung durchgeführt oder wurde sie sogar gewünscht, gilt die Kostendifferenz als angemessen. Dies gilt auch, wenn eigens ein Geistlicher für die Mitwirkung am Begräbnis engagiert wurde.

In manchen Ländern ist es Ritual, ein bestimmtes Mahl bei der Bestattung einzunehmen, was auch unter die Angemessenheit der Begräbniskosten fällt. Ebenso zählen die Unkosten für eine Trauerannonce und für Danksagungen dazu.

Was nicht mehr unter die Bestattungskosten fällt…

Wenn sogar Reisekosten und Verdienstausfälle von am Begräbnis mitwirkenden Personen erstattet werden müssen (dem ist so), welche Ansprüche können Erben denn dann überhaupt noch ablehnen?

Unabhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Toten ist es ganz und gar nicht möglich, Reisekosten von Angehörigen zweiten Grades und tiefer geltend zu machen. Genauso wenig können Pflege- und Unterhaltungskosten von Grabstätten hinterher eingeklagt werden. Vorsicht bei der Überführung in ein Doppelgrab: Dadurch anfallende Mehrkosten gelten als nicht angemessen.

Bestattungskosten übersteigen Nachlasshöhe – was tun?

Übersteigen die Bestattungskosten bzw. die Ansprüche daraus gegen einen Erben die individuelle Nachlasshöhe, müssen in diesem Falle Ehegatten und unterhaltsverpflichtete Verwandte die Kosten mittragen. Ausgenommen sind hier Fälle unbilliger Härte.

Allerdings gilt für diese Gruppe dasselbe wie auch für die Erben: Die Kostentragungspflichten sind auf eine angemessene Höhe limitiert.

Begräbniskosten bei Tod durch Fremdverschulden

Wurde der Tod durch jemand Drittes schuldhaft verursacht, muss die Person unter dem Aspekt des Schadenersatzes auch die Begräbniskosten begleichen.

Kommt jemand beispielsweise im Rahmen eines Verkehrsunfalls mit Kraftfahrerbeteiligung ums Leben, müssen Kosten für die Bestattung unter Umständen selbst ohne Verschulden getragen werden. Das Straßenverkehrsgesetz sieht dies durch die sogenannte Gefährdungshaftung so vor.

Am besten schon zu Lebzeiten Regelungen treffen

Wie zu Anfang schon erwähnt, ist ein finanzieller Disput über Bestattungen von Freunden und Verwandten zur Unzeit eine Belastung für alle Beteiligten. Damit dies verhindert werden kann, sollte ein jeder von uns Fragen zur Bestattung und Erbberechtigung schon zu Lebzeiten klären. Die sogenannte Totenfürsorgeregelung garantiert, dass vertrauenswürdigen Personen die nötigen rechtlichen Befugnisse eingeräumt werden, über die auch nur sie verfügen sollen.

Wichtig: dies kann allein im Testament nicht angeordnet werden, da der letzte Wille meist erst eröffnet wird, wenn die Bestattung bereits vorbei ist. So kann mit der Totenfürsorgeregelung eine umfassendere Nachlassregelung organisiert werden, die ihren Teil dazu beiträgt, dass die „letzte Ruhe“ des Verstorbenen auch wirklich gewährleistet ist.

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Ein Kommentar

  1. „angemessener Größenordnung“ – ja, da scheiden sich wieder die Geister. Ein interessanter Artikel der uns einen guten Überblick gegeben hat.