Platzmangel: New York muss Urnen übereinander stapeln

Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet, gibt es in New York City kaum noch freie Grabstätten. Die Preise für die letzte Ruhestätte schießen nach oben wie jene für Vorstadthäuser auf dem Höhepunkt der Immobilienblase. Ein Friedhof geht sogar dazu über, Urnen übereinander zu türmen.

Ein Kasten, so groß wie ein Bahnhofsschließfach: Einen halben Meter hoch, einen halben Meter breit, einen halben Meter tief. Mehr Platz war nicht für die letzte Ruhestätte von Olivia Mac Donald. Die Urne der 1997 verstorbenen New Yorkerin passt gerade so in das Fach, auf der Marmorplatte, die es verschließt, war kaum ausreichend Raum, um ihren Namen, ihr Geburts- und ihr Todesjahr einzugravieren. Olivia Mac Donalds Grab ist ein Parzelle in einem Betonquader am äußersten Rand des Trinity Cemetery im New Yorker Stadtviertel Washington Heights. Gut zehn Meter hoch ist das Gebilde und fünf Meter breit und es beherbergt Hunderte schlichter Fächer. Daneben steht noch mehr solcher Quader. Das Ensemble ist eine Art Hochhaus-Siedlung für Tote.

Der Preis für die letzte Ruhestätte liegt hier zwischen 6.000 und 9.000 Dollar. Nur mithilfe der Stapeltechnik gelingt es dem Friedhof trotzdem, weiter Beerdigungen anzubieten. Doch er ist der letzte in Manhattan. Und auch in den anderen New Yorker Stadtteilen wird der Platz immer knapper. Dem größten jüdischen Friedhof in Brooklyn ist im Winter das Land für neue Gräber ausgegangen, nachdem bereits alle Wirtschafts- und Gehwege umgegraben wurden. Der größte katholische Friedhof der Stadt in Queens steht kurz davor, keine neuen Bewerbungen mehr anzunehmen.

Grundstücke sind das knappste und teuerste Gut in New York und die Toten sind davon genauso betroffen wie die Lebenden. Seit 50 Jahren wurde in New York kein neuer Friedhof gebaut. Doch jedes Jahr sterben 60.000 New Yorker. An manchen Orten hat die Knappheit bereits zu einem erbitterten Wettbewerb um die Plätze geführt. Die Preise für Gräber steigen immer schneller und ein Grab für 12.000 Dollar gilt bereits als Schnäppchen.

Und die Gräber selbst werden – wie die Wohnungen in New York – immer kleiner. Auf dem Washington Cemetery in Brooklyn ist die Grabgröße auf zwei Meter Tiefe mal zwei Meter Länge und 76 Zentimeter Breite beschränkt worden. Den meisten New Yorkern wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich anderswo bestatten zu lassen, als in der Stadt, in der sie ihr Leben zugebracht haben.

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