Palermos Katakomben – Mumien aus mehreren Jahrhunderten

Wer liegt in Palermos Kapuzinerkatakomben?

Die Kapuzinerkatakomben von Palermo sind ein weitverzweigtes Netz von unterirdischen Gängen. Hier wurden zwischen dem 16. Jahrhundert und 1920 annähernd 8.000 Tote beigesetzt.

Ursprünglich sollte ermöglicht werden, Fürbitten von Angesicht zu Angesicht vorzutragen, und zwar den vom eigenartigen Klima konservierten Körpern frommer Klosterbrüder und -schwestern, Priester, Bischöfe und Kardinäle.

Bald aber wollten auch die reichen Familien ihre Verblichenen mumifiziert haben. Das Privileg kostete, aber vielleicht konnte man ja noch das eine oder andere von Angesicht zu Angesicht klären.

Über lange Zeit hinweg war es üblich, die Mumien so aufzustellen, als seien sie noch lebendig. In manigfaltigen Arrangements sind die Körper in ihren letzten Gewändern Teil eines barocken Theaters, Variationen des Themas Vergänglichkeit.

Das älteste Exemplar ist der 1599 verstorbene Bruder Silvestro da Gubbio, der, in anrührend einfachem Gewand, in einer Nische zu schreiten scheint…

Wer macht in Palermos Katakomben “bella figura”?

Der Mumifizierungsvorgang wurde von den Kapuzinern, seinerzeit der reichste Konvent Italiens, professionell gemanagt. Neben dem Haupteingang ist ein Verlies zu sehen, das zu den Colatoi, den Austrocknungskammern, gehörte. Hier hingen Neuankömmlinge zunächst einmal acht Monate ab.

Bella figura bis zum jüngsten Tag machen u.a. eine Mutter und ihr Kind in prächtigen Kleidern, eine Gruppe von Priestern im vollen Ornat, eine Gruppe von Lehrern, zwei Maler-Brüder, der 1848 verstorbene französiche Leutnant Colonel Enea Di Giuliano, die Riesengestalt des Mönchs Bartolomeo Megna.

Und dann ist da noch Antonio Prestigiacomo, Dandy und Frauenheld, der 1848 von einer Geliebten mit Arsen vergiftet wurde. Mit einem schwarzen, rot gepunkteten Schal lehnt er an der Mauer und grüßt mit leicht geneigtem Kopf.

Am besten erhalten ist die “Schlafende Schönheit”, Rosalia Lombardo, ein zweijähriges Mädchen. Sie ist die letzte, die 1920 in den Kapuzinerkatakomben beigesetzt wurde. (Quelle: Brockhaus- Was so nicht im Lexikon steht 2014)

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