Erbe ausschlagen - Folgende Gründe sprechen dafür.
Erbe ausschlagen - Folgende Gründe sprechen dafür.

Kann man das Erbe ausschlagen?

Stirbt ein Angehöriger und vererbt sein Vermögen, bedeutet dies nicht immer gleich Reichtum für den Erben. Auch das Gegenteil kann der Fall sein, denn nicht nur das gesamte Vermögen wird weiter vererbt, sondern ebenso die damit in Zusammenhang stehenden Verbindlichkeiten.

Neben dem Vermögen, welches aus Konten, Gegenständen, wie Wertpapieren bestehen kann, erwarten den Erben eventuell auch Nachlassverbindlichkeiten, wie Beerdigungskosten und Schulden. Letzteres kann, beispielsweise, aus Kontoüberziehungen, laufenden Krediten, sowie aus Unterhaltsrückständen stammen.

Welche Gründe können für eine Erbausschlagung vorliegen?

Kein Erbe ist verpflichtet, ein Erbe auch antreten zu müssen. Besteht ein Erbe zu großen Teilen aus Verbindlichkeiten haben Erben das Recht dieses auszuschlagen. In diesem Fall geht das Erbe dann erst einmal an den nächsten Verwandten der Erbfolge über. Schlagen sämtliche Erben hingegen das Erbe aus, geht dieses automatisch an den Staat. Wer das Erbe ausschlägt, muss demnach auch nicht die Schulden des Erblassers übernehmen. Im Gegensatz dazu bedeutet dies aber auch, dass der Erbe keinerlei Anspruch mehr auf positive Vermögenswerte besitzt. Zumal es jetzt ebenfalls nicht mehr möglich ist, einen Pflichtteil einzufordern oder diverse Erinnerungsstücke zu erhalten.

Folgende Gründe sprechen für eine Erbausschlagung:

  1. Der Erblasser hinterlässt Schulden

Kommt es nach einer Überprüfung der Werthaltigkeit des Nachlasses zu der Feststellung, dass mehr Schulden vorhanden sind, als positive Vermögen, macht es Sinn das Erbe auszuschlagen. Ansonsten könnte es passieren, dass der Erbe mit seinem privaten Vermögen für diese Schulden haftet. Nur in ganz seltenen Fällen sind Erben bereit dazu eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation durch das Erbe in Kauf zu nehmen.

  1. Der Erblasser hinterlässt eine sanierungsbedürftige Immobilie

Viele träumen davon mit einer geerbten Immobilie ihren Traum vom Eigenheim wahr werden zu lassen. Doch auch ein solches Erbe kann enorm teuer werden, wenn sich die Immobilie in einem sehr schlechten Zustand befindet und erst aufwendig saniert werden muss. Dies gilt vor allem für Immobilien die unter Denkmalschutz stehen, denn diese dürfen meist nur nach festgelegten Regeln saniert werden. Gleiches gilt außerdem für Immobilien auf denen noch ein Schuldenberg lastet. In beiden Fällen sollten Erben sich genau überlegen, ob sie das Erbe nicht doch besser ausschlagen.

  1. Persönliche Motive für eine Erbausschlagung

Ebenso kann es aber auch persönliche Motive geben, wenn ein Erbe ausgeschlagen wird. Wer ohnehin finanziell unabhängig ist und bereits zu Lebzeiten nichts von dem Erblasser angenommen hat, kann demnach diese Vorgehensweise auch nach seinem Tod so handhaben. Dies gilt ebenfalls, wenn der Erbe ein schlechtes Verhältnis zum Erblasser gehabt hat. Ganz egal, ob der Erbe selbst im Testament eingetragen ist oder ob es zu einer Erbfolge gekommen ist, niemand ist verpflichtet das Erbe anzutreten.

  1. Erbausschlagung aus steuerlichen Gründen

Jede Einnahme muss hierzulande versteuert werden. Dies gilt ebenfalls für ein Erbe. In diesem Fall wird demnach die sogenannte Erbschaftssteuer fällig. Diese unterteilt sich ebenfalls in verschiedenen Steuerklassen, je nach Verwandtschaftsgrad. Wer diese Steuern nicht begleichen möchte, kann somit ebenso das Erbe ausschlagen.

  1. Wegen Privatinsolvenz das Erbe ausschlagen

Befindet sich der Erbe in einer Verbraucherinsolvenz und erbt, geht das gesamte geerbte Vermögen an den Insolvenzverwalter, sowie an die Gläubiger. Reicht das geerbte Vermögen hingegen nicht aus, um die kompletten Schulden zu begleichen, sieht der Erbe von dieser Erbschaft rein gar nichts, so dass es sinnvoll sein kann das Erbe auszuschlagen. Der nächste Erbfolger könnte in diesem Fall das Vermögen erben und eventuell nach der Insolvenz des ersten Erbens einen Anteil des Nachlasses abgeben.

Lassen sich Schulden einer Erbschaft ohne Erbausschlagung umgehen?

Vielen graut es mit Recht davor Schulden zu erben. Schließlich müssten diese im Ernstfall mit ihrem privaten Vermögen für diese haften. Wer das Erbe in solchen Fällen ausschlägt, geht dann aber gänzlich leer aus. Durchaus gibt es aber zwei Möglichkeiten um sich vor den Schulden des Erblassers in Schutz nehmen zu lassen. Bleibt nach Abzug aller Schulden noch etwas vom Erbe übrig, kann es sich lohnen eine Haftungsbeschränkung vornehmen zu lassen. Demnach werden aus dem vorhandenen Vermögen die Schulden bezahlt, ohne dass der Erbe hier finanziell in der Pflicht steht.

Fazit: Es gibt zahlreiche Gründe, warum Erben eine Erbschaft ausschlagen. In den meisten Fällen kommt es zu einer Erbausschlagung, wenn der Erblasser hauptsächlich Schulden oder sehr sanierungsbedürftige Immobilien hinterlässt.

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