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Erbvertrag als Alternative

Über den Tod reden die wenigsten gerne. So hat es schon manche böse Überraschungen gegeben, wenn sich die versteckten oder gar vollmundigen Ankündigungen und Versprechungen des Verstorbenen, bestimmte Personen im Testament zu bedenken, nicht erfüllt haben – oder Erbbauberechtigte gar mit der Folge enterbt wurden, dass sie auf einmal nur noch Pflichtteilsberechtigte sind. Hintergrund ist, dass Testamente jederzeit widerrufen und geändert werden können.

Erbvertrag vs. Testament

Im Gegensatz zu einem Testament, das im Regelfall einseitig und ohne Bindung errichtet werden kann (Ausnahme: Ehegattentestament), handelt es sich bei einem Erbvertrag um einen allseits bindenden Vertrag, in dem der Erblasser Regelungen über seinen Nachlass im Einverständnis mit den Erben und Vermächtnisnehmer trifft.

Dies bietet sich insbesondere dann an, wenn der Erblasser klare Verhältnisse schaffen möchte. Sei es etwa, weil er Zuwendungen aus dem Nachlass von Gegenleistungen (Z. B. Pflegediensten) abhängig machen möchte, oder er Befürchtungen seiner Kinder ausräumen will, weil ein neuer Ehepartner/eine neue Ehepartnerin ins Spiel kommt.

In Fällen dieser Art hat ein Erbvertrag für die Erben und Vermächtnisnehmer einen wertvollen Vorteil. Der Erblasser kann keine neuen, gegebenenfalls böswilligen letztwilligen Verfügungen mehr treffen, ohne die Betroffenen mit einzubeziehen (sofern er sich nicht den Rücktritt oder das Recht vorbehalten hat, einzelne Verfügungen zu ändern).

Nur wenn sich der jeweilige Bedachte einer Verfehlung schuldig gemacht hat, die den Erblasser gemäß §§ 2333 ff BGB oder gegebenenfalls nach §§ 320 ff. BGB (Einrede des nicht erfüllten Vertrages) zur Entziehung des Pflichtteils berechtigen würde, kann er sich vom Vertrag lossagen.

Umfassende Regelungen

Als gegenseitiger Vertrag kann der Erbvertrag, anders als beim Testament, auch Verpflichtungen der Erben und Vermächtnisnehmer beinhalten. Diese können beispielsweise auf weiter gehende Erbteils-oder Pflichtteilsansprüche verzichten oder gegenüber dem Erblasser Pflegeverpflichtungen übernehmen.


Ein Erbvertrag führt letztendlich dazu, dass frühere letztwillige Verfügungen des Erblassers aufgehoben werden, soweit sie das Recht des vertragsgemäß bedachten beeinträchtigen würden. In gleichem Umfang ist eine spätere Verfügung von Todes wegen unwirksam.

Notarielle Beurkundung und Verfügungsfreiheit

Erbverträge bedürfen nach § 2276 BGB der notariellen Beurkundung. Dies führt allerdings nicht dazu, dass der Erblasser, ebenso wie beim Testament, nicht zu Lebzeiten gehindert ist, über sein Vermögen zu verfügen.

Einzige Ausnahme ist § 2287 BGB, der dem erbvertraglich Bedachten einen Herausgabeanspruch für den Fall zugesteht, dass der Erblasser Schenkungen in der Absicht vornimmt, den Erben bzw. Berechtigten wirtschaftlich zu beeinträchtigen.

Autor: Joachim Höhl von AdvoGarant.de

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