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Buch-Tipp: Bei uns in Auschwitz

Unser heutiger Buch-Tipp:

Tadeusz Borowski, „Bei uns in Auschwitz“, Erzählungen, aus dem Polnischen übersetzt von Friedrich Griese, Schöffling Verlag

Erzählungen von Tadeusz Borowski

„Vom Fenster aus wirkt die Landschaft harmlos, das Kremo ist nicht zu sehen. Die Leute sind in Auschwitz verliebt, stolz sagen sie: ‚Bei uns in Auschwitz…'“ Das Kremo ist im Lager-Jargon das Krematorium, so wie die Millionäre die Häftlinge mit einer hohen Nummer bedeuten, die erst kurz im Lager sind. Es sind Ausdrücke wie diese, die einem beim Lesen der Erzählungen von Tadeusz Borowski den Atem stocken lassen. Oder die folgende Beschreibung eines Fußballspiels:

Ich ging mit dem Ball zurück und gab ihn zur Ecke. Zwischen zwei Eckbällen hatte man hinter meinem Rücken dreitausend Menschen vergast.

Mitleidlosigkeit und Überlebenskampf
Die kalte Gleichgültigkeit der Todesmaschinerie wird hier nicht einfach beschrieben, sondern sie ist in jedem Satz präsent. Vor allem im zynischen Lachen über die, denen es schlechter geht und die zu Tode kommen. Beim Anblick eines alten Mannes, der sich bemüht, mit den anderen Schritt zu halten, konstatiert der Erzähler:

Man schmunzelt belustigt beim Anblick eines Menschen, der es auf dem Weg zur Gaskammer so eilig hat.

Hier gibt es keinen Schlupfwinkel für Einfühlung, nie wird eine Heldenperspektive aufgebaut, denn dem Ich, das hier erzählt, geht es ums nackte Überleben.

Täter und Opfer – diese Unterscheidung verschwimmt in Borowskis Erzählungen. Gerade das ist das schmerzhaft Irritierende daran.

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